Plastikflut
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Corona sei Dank

Die Welt befindet sich in einem absoluten Ausnahmezustand. Die Corona-Krise hält uns Menschen in Atem. Jeden Tag gibt es neue Schlagzeilen, neue Zahlen, neue Erkenntnisse, neue Regelungen. Das Virus hat uns die Vergänglichkeit unmittelbar vor Augen geführt. Es hat unsere Alltagsroutine total auf den Kopf gestellt. Wir sind verunsichert, machen uns Sorgen und hoffen einigermaßen glimpflich diese Zeit zu überstehen. Es steht schließlich viel auf dem Spiel. Die Gesundheit von uns und unseren Liebsten, viele Jobs und die Welt, die wir bis dato gewohnt waren.

All das sind sehr wertvolle Erfahrung! Uns wird klar, dass das Leben, das wir vor der Pandemie geführt haben, keine Selbstverständlichkeit ist. Eine ebenso wichtige Erkenntnis ist, dass dieser Ausnahmezustand neben den negativen Auswirkungen auch durchaus Gutes mit sich bringt. Durch unser stark eingeschränktes Leben kann die Natur stellenweise endlich einmal aufatmen. Beispielsweise bekommen Naturräume, die durch den Massentourismus täglich beansprucht wurden, die Gelegenheit sich zu regenerieren. Die Kanäle in Venedig sind so klar, dass der Grund zu sehen ist, der Smog über den Metropolen hat sich verflüchtigt, die Autobahnen sind leer und es gibt keine Umweltbelastungen durch Flugreisen und dicke Kreuzfahrtschiffe.

Du fragst dich vielleicht, was all das mit Plastik zu tun hat? Durch den fehlenden Tourismus recht viel! Die Reiseindustrie ist letztendlich für eine unglaublich große Menge an Plastikmüll verantwortlich. Durch den Wegfall von Hotelbuchungen, Kreuzfahrten und Flügen werden derzeit Millionen Tonnen an Plastikmüll eingespart. Auch Erik Solheim, ehemaliger Leiter des Uno-Umweltprogramms (UNEP) sieht das Problem.

“Plastik wird in der Reiseindustrie in Massen eingesetzt.“  

Da es sich hier um eine riesengroße Branche handelt, beschränke ich mich in diesem Artikel auf den Personenflugverkehr. 

Personenzahlen im Sturzflug

Durch die Grenzschließungen, Shutdowns und Kontaktsperren gibt es seit vielen Wochen so gut wie keinen regulären Flugverkehr mehr. Mal abgesehen von einigen Transportmaschinen und Privatflugzeugen herrscht weltweit gähnende Leere am Himmel. Es ist schon faszinierend! Wann gab es zuletzt so wenig Flugverkehr, so wenig CO2 Ausstoß, so wenig Fluglärm? Gucken wir uns einmal die Zahlen in Deutschland an. Die Tagesschau berichtet am 12.04.2020, dass in Deutschland, trotz der umfangreichen Rückholprogramme, der Personenflugverkehr im Vergleich zum Vorjahr um ganze 98 % eingebrochen ist! Vom 30. März bis 5. April wurden im Jahr 2019 4,5 Mio. Fluggäste registriert, 2020 waren es im gleichen Zeitraum nur noch 97.693 Passagiere.

Auf flightradar24 gibt es eine sehr schöne Visualisierung die zeigt, wie stark der Flugverkehr in den einzelnen Teilen der Welt eingebrochen ist. Für die Umwelt und das Klima ist das ein äußerst erholsamer Ausnahmezustand, denn die Zahlen vor der Pandemie waren so hoch wie noch nie – Tendenz steigend. Der Journalist und Moderator Dirk Steffens, von der ZDF Sendung Terra X, hat dafür einen anschaulichen Vergleich gefunden. Er sagt, dass normalerweise weltweit permanent ungefähr 2 Mio. Menschen in Flugzeugen sitzen! Steffens sagt weiter:

„Da oben ist ständig eine komplette Großstadt unterwegs, eine Metropole, und das summiert sich in einem einzigen Jahr auf über 4 Milliarden Flugpassagiere. Rechnerisch also so viel wie die halbe Menschheit!“

Eine Plastikflut über den Wolken

Nun aber zurück zum Thema Plastik. Jeder, der schon einmal geflogen ist weiß, wie unglaublich viel Plastikmüll bei einem Flug zusammenkommt. Die Lufthansa-Group gibt auf SPIEGEL ONLINE an, dass auf einem Flug von Frankfurt nach Los Angeles etwa 80 Kilo Plastikeinwegprodukte an Bord sind. Laut Linienluftfahrtorganisation IATA produziert jeder Fluggast pro Flug etwa 1,43 Kilo Abfall. Auch wenn dieser Wert die Ausscheidungen, die jeder Passagier auf der Flugzeugtoilette hinterlässt, beinhaltet, machen Plastik- und Papiermüll den größten Anteil aus. Hochgerechnet kommen so weltweit 5,8 Mrd. Kilo (5,8 Mio. Tonnen) Müll pro Jahr zusammen. Damit du es dir besser vorstellen kannst, das entspricht dem Gewicht von 140.000 Boeing-737! Für die Zeit der Corona-Krise werden also pro Monat Flugflaute Müll im Gesamtgewicht von bis zu 11.667 Boeing-737 (483.333 Tonnen) eingespart. Das ist so viel Plastikmüll wie etwa 152.472 Bundesbürger im Monat produzieren. Wir Deutschen stehen in Europa übrigens an dritter Stelle der größten Plastikmüll-Verursacher! Hierfür beziehe ich mich auf die Zahlen aus dem Jahr 2016, die der BUND im „Plastikatlas 2019“ veröffentlichte.  

Das Plastik in Flugzeugen durchaus Sinn macht liegt nahe. Plastikbecher, -besteck und Tütchen sind sehr leicht. Das spart Treibstoff und CO2. Eingeschweißtes Essen ist sicher vor Keimen. Decken, Slipper und Kopfhörer in Plastiktüten wirken hygienischer und unbenutzte Artikel sind schnell zu erkennen, sofern sie eingeschweißt sind. Einwegplastik erleichtert dem Flugpersonal die Arbeit. Alles wandert schnell und einfach in den Müllsack. Auch wenn der Einsatz von Plastik auf den ersten Blick sinnvoll ist, stellt sich die Frage, ob es nicht reduziert oder durch andere Materialien ersetzt werden kann? 

Das Problem mit der Mülltrennung

Mülltrennung war über den Wolken lange Zeit ein Fremdwort. Mittlerweile bemühen sich immerhin einige Fluglinien ihren Müll zu trennen. Es scheint aber nicht immer und ohne Weiteres möglich zu sein. Gerade bei Langstreckenflügen gibt es hier Probleme. Der Catering-Müll von Flügen aus fernen Ländern wird nämlich als Biogefahr eingestuft. Aus Seuchenschutzgründen wird er schnellstmöglich vernichtet. Matt Rance, Chef des Londoner Beratungshauses MNH Sustainable Cabin Services, sagt:

„Mindestens 80 Prozent des gesamten Bordabfalls wanderten direkt auf die Halde oder ins Feuer.“

Damit der Plastikmüll aus Flugzeugen recycelt werden kann, müssten laut International Air Transport Association (IATA)  die internationalen Catering-Bestimmungen geändert werden.

Was unternehmen die Airlines?

Die Plastikmüllproblematik ist mittlerweile auch in das Bewusstsein vieler Fluggesellschaften gerückt. Grund dafür sind neue Umweltauflagen und der Fakt, dass die Berge an Plastikmüll von immer mehr Fluggästen kritisch beäugt werden. Was lassen sich die Airlines einfallen, um die Plastikflut einzudämmen?

Die Lufthansa-Group hat 2014 eine konzernweite Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiative mit dem Namen „Fly greener“ ins Leben gerufen. Jede dazugehörige Airline hilft mit eigenen Ideen das Abfallaufkommen und die Umweltbelastung zu reduzieren. Die Lufthansa bittet auf Langstreckenflügen ihre Passagiere darum, die Plastikbecher mehrmals zu benutzen. Auf der Homepage der Lufthansa-Group heißt es, dass Einwegprodukte, so weit es geht, durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt werden sollen. Dazu zählt die Idee auf Getränkebecher aus (immerhin) recyceltem Plastik umzusteigen. Plastikverpackungen sollen generell reduziert werden. Beispielsweise werden Wolldecken und Kabinenschlappen nicht mehr in Plastik eingeschweißt. Dadurch möchte die Fluggesellschaft 18 Tonnen Plastikmüll pro Jahr einsparen. Bei Austrian Airlines wird in Zusammenarbeit mit dem österreichischem Energiekonzern OMV aus den benutzten Plastikbechern Rohöl gewonnen. OMV Senior Vice President Refining & Petrochemicals Thomas Gangl erklärte bei AERO BUZZ:  

„In der ReOil- Pilotanlage können wir die AUA-Getränkebecher zu synthetischem Rohöl und in weiteren Schritten zu Kraftstoff beziehungsweise wieder zu Kunststoffen verarbeiten. Unser OMV-Forschungsprojekt ermöglicht, diesen Kreislauf zu schließen und Müll zu reduzieren.“

Auf diese Weise werden aus 100 Kilo Plastikmüll etwa 100 Liter synthetisches Rohöl. Die ReOil-Anlage ist seit 2018 in Betrieb.

Air France/KLM richtet sich nach dem 4R-Prinzip: Redesign (neugestalten), Reduce (reduzieren), Re-use (wiederverwenden) und Recycle (recyceln). Bei Air France werden jährlich 1.300 Tonnen Einwegkunststoff eingespart. Plastikbecher werden durch Papierbecher ersetzt. Die Rührstäbchen  für den Kaffee/Tee sind aus Holz und es gibt keine Trinkhalme aus Plastik mehr. Auf Langstreckenflügen wird das Plastikgeschirr für die Zweite Mahlzeit durch eine sogenannte „Bon Appetit“-Tüte ersetzt. Auf innereuropäischen Flügen der KLM werden Trinkbecher, Glas, Dosen, Aluminiumdeckel und PET-Flaschen an Board getrennt und später recycelt. Aus alten Rettungswesten werden Bord-Kulturtaschen, aus alten KLM Uniformen und Teppichen wird neue Auslegeware hergestellt. Air France wirbt damit bis 2030 die grünste Airline der Welt zu werden. Dafür wird die Fluglinie u. a. alle Kurzstreckenflüge streichen.  

British Airways hat sich zum Ziel gesetzt bis Ende 2020 jährlich 700 Tonnen Plastik einzusparen. Das sind 30.000 Reisekoffer mit einem Gewicht von jeweils 23 Kilo. Einweg-Plastikprodukte sollen durch nachhaltigere oder wiederverwendbare Alternativen ersetzt werden. Bei Delta werden die Kulturtaschen nicht mehr in Plastiktüten verpackt und bei Emirates gibt es Decken aus recycelten Plastikflaschen. Beide Fluglinien bieten zudem plastikfreie Trinkhalme an. Air New Zealand hat sich 2019 vorgenommen die Zahl der bisher verwendeten Plastikeinwegartikel zu halbieren. Virgin Atlantic Airways bemüht sich darum, die Schaumstoffpolster der Bordkopfhörer auf ungewöhnliche Weise wiederzuverwenden. Aus ihnen wird der Bodenbelag für Reitplätze.

Komplett oben ohne

Immer mehr Fluggesellschaften haben bereits plastikfreie Flüge durchgeführt. Solche Aktionen dienen in der Regel als Feldversuch und werden oftmals als Image-Aufpolierung angesehen. Die arabische Fluglinie Etihad flog im April 2019 als erste große Airline einen Ultra-Langstreckenflug von Abu Dhabi nach Brisbane ohne Einwegplastik. Die Kaffeebecher waren beispielsweise aus essbarem Waffelteig.

Die portugiesische Fluggesellschaft Hi Fly verzichtet seit Anfang 2020 komplett auf Einwegplastik. Die Flotte besteht aus etwa 18 Flugzeugen, die gechartert und geleast werden können. Hi Fly gilt als erste plastikfreie Fluggesellschaft. Das Besteck an Bord ist aus Bambus, Becher und Schalen sind aus kompostierbaren Materialien. Auf der Homepage wirbt Hi Fly zudem damit, dass die Flotte bis 2022 CO2-neutral fliegen wird. 

Der Chef der Fluggesellschaft Paulo Mirpuri scheint ein sehr umweltbewusster, engagierter Mensch zu sein. Die von ihm gegründete Mirpuri Foundation ist eine non-Profit-Organisation, die Projekte in den Bereichen Meeres- und Artenschutz, der Luft- und Raumfahrt, der medizinischen Forschung, der darstellenden Künste, sowie im sozialen Bereich unterstützt. Einige Flugzeuge der Flotte tragen Umwelt-Slogans der Foundation wie „Coral Reefs Gone By 2050 – Not Too Late For Coral Reefs / save the coral reefs – which side are you on?“ und „Turn the Tide on Plastic / clean seas“.

Ryanair kündigte Anfang 2018 an in fünf Jahren „plastikfrei“ fliegen zu wollen, also bis 2023. Laut Fluggesellschaft soll es bis dahin keine nicht recycelbaren Kunststoffe mehr an Bord geben. Holzbesteck, biologisch abbaubare Trinkbecher und Papierverpackungen sollen das herkömmliche Plastik ersetzen. Produkte aus dem Bordshop sollen möglichst plastikfrei sein. Es wird auch begrüßt, wenn Fluggäste ihre eigenen Trinkgefäße mitbringen. Das plastikfrei-Vorhaben soll nicht nur die Flugzeugflotte betreffen, auch der Hautsitz und alle weiteren Standorte von Ryanair sollen weitgehend auf Kunststoff verzichten. Marketing-Chef Kenny Jacobs sagt im britischen Guardian

“It’s not just inflight food and drink. We’re looking at the plastic parts within the aircraft and what’s nonrecylable and how do we work with the original equipment manufacturers to move to more recyclable plastics within the aircraft and the operation.” 

Jacobs räumt allerdings auch ein, dass es hier und dort immer irgendeine Art von Kunststoff geben wird. In wie weit Ryanair das Ziel der Plastikbeseitigung erreichen wird, zeige sich 2023. Ein Hintertürchen bleibt bei diesem Vorhaben also weiterhin offen. Wenn tatsächlich nur alle „nicht recycelbaren Kunststoffe“ aus den Fliegern verschwinden, kann das nicht viel sein, denn theoretisch können viele Kunststoffe recycelt werden. Darüber hinaus verursachen Billigairlines wie Ryanair von sich aus weniger Plastikmüll. Es gibt keine Langstreckenflüge und die Snacks, Getränke und Kopfhörer werden nicht kostenlos verteilt sondern verkauft. Viele Passagiere verzichten daher darauf. Zudem frage ich mich, wie erst das Thema Umweltschutz bei Ryanair tatsächlich genommen wird. Die ZEIT ONLINE schreibt in einem Artikel von 2018, dass Ryanair die Umwelt (wörtlich) „pupsegal“ ist. Passend dazu sagte Michael O’Leary, Vorsitzender der Billigfluglinie:

“Umweltschützer ärgern wir, wo immer wir können. Eigentlich müsste man die erschießen. Denn die wollen Fliegen so teurer machen, dass es wieder ein Privileg für die Reichen wird.“

Vielleicht sind es nur hohle Worte von gestern, aber es sind Worte, die im Gedächtnis bleiben. 

Überzeugung oder Zwang?

Ich sehe diese kleinen und großen Initiativen den Plastikmüll über den Wolken einzudämmen als guten Anfang. Viele Luftfahrtunternehmen haben das Problem erkannt, was sehr lobenswert ist! Trotzdem treibt mich die Frage um, ob die Plastikvermeidung aus umweltfreundlicher Überzeugung oder aus PR-Zwecken, als Green-washing und Image-Aufwertung geschieht? Denn allen Airlines dürfte klar sein, dass die EU-Richtlinie zur Plastikvermeidung ab 2021 auch in der Luft gilt. Demnach werden unter anderem Einweggeschirr und -bestecke, Trinkhalme, Rührstäbchen und Wattestäbchen mit Plastikstiel verboten. Sie stehen also unter Zugzwang! Aber egal ob aus Image- oder Umweltschutzgründen, die vorreitenden Airlines erhöhen immerhin den Druck auf andere Fluggesellschaften ihren Umgang mit Plastik zu überdenken. Ich könnte mir vorstellen, dass Airlines, die es bis 2021 nicht schaffen dieses Verbot einzuhalten, ein Sonderrecht beantragen. Mittlerweile gibt es aber gute und leichte plastikfreie Alternativen und es besteht die Möglichkeit auf recycelten Kunststoff auszuweichen. Daher stehen die Chancen recht gut, dass es ab nächstem Jahr anders in den Müllsäcken über den Wolken aussehen wird als bisher.

Eigeninitiative ist gefragt

Wann der Flugverkehr wieder richtig ins Rollen kommt, steht noch in den Sternen. Es zeichnet sich aber langsam ab, dass es bald wieder losgehen könnte. Wenn du nicht zu den Menschen mit „Flugscham“ gehörst, irgendwann wieder in ein Flugzeug steigst und es sich um keinen plastikfreien Flug handelt, aufgepasst. Hier gibt es zehn Tipps, wie du auf deinem Flug aktiv Plastikmüll vermeiden kannst.

1. Nicht ohne meine Flasche

Nimm deinen eigenen Trinkbehälter für Kalt- oder Heißgetränke mit. Leere Flaschen und Becher stellen bei der Sicherheitskontrolle kein Problem dar und dürfen mit an Bord genommen werden. Du kannst sie nach der Kontrolle auf der Toilette mit frischem Wasser auffüllen, sofern es Trinkwasserqualität hat. Das spart die teuren Getränke in PET-Flaschen aus dem Flughafenshop. Im Flugzeug hast du die Möglichkeit dir die Getränke in deine Flasche oder deinen Becher füllen zu lassen. Viele Airlines begrüßen das! Achte nur darauf, dass deine Trinkflasche eine weite Öffnung hat, damit sie leicht zu befüllen ist. Hier findest du tolle Flaschen und Becher für alle Altersstufen.

2. Becher nicht verschwenden, sondern wiederverwenden

Solltest du ohne deine eigene Trinkflasche fliegen, kannst du den Plastikbecher, den du an Bord bekommst wieder befüllen lassen, statt immer wieder einen neuen zu nehmen. Ich habe erlebt, dass die Lufthansa ihre Passagiere per Durchsage sogar explizit darum bittet, um unnötigen Plastikmüll zu vermeiden.

3. Eigenes Besteck benutzen

Ich habe in meinem Rucksack immer Campingbesteck dabei. So muss ich beim Essen unterwegs nicht auf Plastikbesteck zurückgreifen. Solch ein Besteck kannst du mit auf den Flug nehmen. Achte nur drauf, dass das Messer aus Metall eine absolut stumpfe abgerundete Klinge hat und die Gabel keine spitzen Zacken hat, ansonsten wird es bei der Sicherheitskontrolle einkassiert. Wenn du auf einen “Spork” oder Bambusbesteck zurückgreifst, bist du auf der sicheren Seite.

4. Snacks mitbringen

Du kannst dir deine eigenen Snacks mit auf den Flug nehmen. Ob eine geschmierte Stulle, ein Stück Kuchen, Nudelsalat oder geschnittenes Obst und Gemüse. Das spart nicht nur Müll, sondern auf vielen Kurzstrecken auch eine menge Geld. Für einige Lebensmittel kann es in bestimmten Ländern Einfuhrverbote geben. Achtung bei Käse, Fleisch, Honig, Obst und Gemüse. Hier solltest du dich vorher informieren! Lass problematische Essensreste im Flugzeug zurück und stecke sie nicht ins Handgepäck.

5. Für einen guten Schlaf

Pack dir ein bequemes Reisekissen, eine dünne Decke oder Jacke, warme Socken, Ohrstöpsel und eine Schlafbrille ein, dann kannst du auf die ggf. verpackte Billigvariante der Economy Class verzichten.

6. Eigene Kopfhörer mitnehmen

Viele Kopfhörer, die auf Flügen verteilt werden, haben einen Wackelkontakt oder gehen schnell kaputt und landen dann im Müll. Mir tun von den Dingern nach einiger Zeit immer die Ohren weh. Die eigenen Kopfhörern zu benutzen ist da doch viel angenehmer! Erkundige dich aber vorher, ob der Stecker passt. Häufig haben die Bord-Kopfhörer Spezialstecker. Sollte das der Fall sein, kannst du dir vorher einen passenden Adapter besorgen.

7. Festes statt Flüssiges

Reiseminiaturen in Plastikfläschchen und -tübchen sehen süß aus, sind aber schlecht für die Umwelt. Packe dir für einen Langstreckenflug lieber ein kleines Stück Seife, festes Deo und Zahnputztabletten zum Zähneputzen ein.

8. Das Bordessen vorbestellen

Viele Airlines bitten online um eine Vorbestellung für das Bordmenü. So wird nur das eingeladen, was auch wirklich gegessen wird. Diese Vorbestellung gibt es teilweise auch bei Kurzstreckenflügen, z.B. bei der skandinavischen SAS. 

9. Fragen an die Bord-Crew

Kann ich das auch unverpackt bekommen? Können Sie mir das Getränk in meinen Becher/meine mitgebrachte Flasche füllen? Wird der Müll eigentlich getrennt? Fragen kostet nichts und es kann durchaus einiges bewirken.

10. Den eigenen Müll am Flughafen recyceln

Bei vielen Fluggesellschaften wird der Müll weder getrennt, noch gibt es ein Recyclingsystem. Aber was die Airlines nicht machen, kann der Passagier schon lange. In den meisten Flughafengebäuden gibt es ein gutes Recyclingsystem. Du hast also die Möglichkeit deinen Verpackungsmüll von Bord mitzunehmen und am Gate in die dafür vorgesehenen Papier-, Plastik- und Restmülleimer zu verteilen.

Freiwillige CO2-Kompensation

Fliegen verursacht nicht nur Unmengen an Plastikmüll, sondern schadet durch den CO2 Ausstoß leider auch dem Klima. Möchtest du wissen wie du deinen CO2 Fußabdruck verkleinern kannst? Beim Umwelt Bundesamt (UBA) erfährst du einiges über freiwillige CO2-Kompensation. Dieser anschauliche Ratgeber vom UBA enthält detaillierte Informationen rund um das Thema. Und hier noch fünf bekannte und seriöse Klimaschutzprojekte, denen du einen Beitrag zu deinem Flugticket zahlen kannst. Auf diese Art und Weise wird der CO2 Ausstoß zwar nicht verhindert, aber er lässt sich, wie gesagt, etwas kompensieren. 

Klimaschutzprojekte:

Atmosfair  

Prima Klima 

Myclimate Deutschland 

Klima-Kollekte Kirchlicher Kompensationsfonds

Moor Futures

Zeit für Veränderungen?

Am Ende stellt sich die Frage, wie wir nach überstandener Corona-Krise leben wollen? Wollen wir genau so leben wie zuvor? Was haben wir vermisst? Worauf könnten wir auch weiterhin verzichten? Welche Bereiche können wir regulieren? Was brauchen wir eigentlich zum Leben? Wir können uns diese große, vielleicht einmalige Gelegenheit zu Nutze machen und Dinge neu gestalten, anders machen, besser machen. Auch Christiane Woopen Professorin für Ethik und Theorie der Medizin an der Universität zu Köln sieht die Viruskrise als historische Chance. In einer ZDF-Talkrunde sagte sie:

„Wir müssen jetzt überlegen was von dem, was für uns normal war, möchten wir als wichtig bewahren und in die Zukunft mitnehmen und wo möchten wir jetzt diese Möglichkeit nutzen etwas neu zu gestalten. (…) Soziale Ungleichheit sollte ausgeglichen und das Wirtschaftssystem nach Aspekten der Nachhaltigkeit gefördert werden.“ 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gutes Herauskommen aus der Krise und einige gesunde Neuerungen, die unsere Welt wieder ein Stück lebens- und liebenswerter machen!

Quellen:

Tagesschau / 98 Prozent weniger Personenflugverkehr / 12.04.2020 

Flightradar24 / Then and now: visualizing COVID-19’s impact on air traffic / 07.04.2020

Facebook ZDF Terra X / Dirk Steffens / 20.03.2020

SPIEGEL / Was vom Bordmenü übrig bleibt / 05.06.2018

FAZ / Über den Wolken stapelt sich der Müll / 23.08.2019

BUND / Plastikatlas – Daten und Fakten über eine Welt voller Kunststoff 2019  

AIN online / EU Plans To Ban Plastic Cutlery and Plates on Airliners / 12.06.2018 

Lufthansa-Group / Plastikvermeidung und -reduktion / 02.05.2020 

AERO BUZZ / Austrian Airlines und OMV recyceln Plastikbecher zu Rohöl / 22.03.2019

Airliners / Grünes Licht für Air-France-Milliardenhilfen / 04.05.2020

Reisereporter / Umweltschutz: So wollen Airlines Plastikmüll reduzieren / 21.01.2019

Flug Revue / Hi Fly fliegt ohne Plastik in der Kabine / 28.12.2018

Hi Fly / Sustainability / 02.05.2020

Mirpuri Foundation – For a better World / 02.05.2020  

Newsgreen / Flugzeugessen verursacht Tonnen an Plastikmüll / 08.02.2018

The Guardian / Ryanair makes pledge to become ‘plastic free’ on all flights by 2023 / 31.01.2018 

ZEIT ONLINE / Fliegen ist nur so billig, weil andere die Kosten tragen / 10.08.2018

Umwelt Bundesamt / Weniger Plastik in der Umwelt – EU stimmt Richtlinie zu / 22.05.2019

my climate Deutschland / Was versteht man unter Flugscham? / 02.05.2020

airliners / Nicht ohne meinen eigenen Kopfhörer / 11.07.2017

Umwelt Bundesamt / Freiwillig CO2-Kompensation / 23.07.2019  

You Tube / ZDF – Markus Lanz vom 14.04.2020 / 02.05.2020