Plastikflut
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Nutze die Jahreszeit, um Plastik zu vermeiden

Vielleicht kennst du das auch? Du gehst Obst, Beeren oder Nüsse kaufen und schon beginnt die Challenge, diese Dinge ohne Plastikverpackung zu bekommen. Im Biomarkt gibt es in der Obst- und Gemüseabteilung vieles unverpackt zu kaufen, aber leider noch nicht alles.

Ich unterstelle einfach mal, dass sich die Kunden, die Wert auf Bio-Qualität legen, eher an Plastikverpackungen stören als Kunden, denen Bio egal ist. Im herkömmlichen Supermarkt wird aber besonders häufig das Bio-Obst und -Gemüse in Plastiktüten oder Netze verpackt. Warum ist das so?

Hier die Argumente des Einzelhandels:

  • Bio-Ware kann eingeschweißt besser vom konventionellen Obst und Gemüse unterschieden werden. Aufkleber, Stempel oder Laser-Kennzeichnungen lassen sich nicht überall aufbringen (beispielsweise auf Pilzen, Salat, Beeren, Nüssen oder Möhren).
  • Bio-Ware macht bisher einen geringeren Anteil aus als die übliche Ware. Damit werden weniger Plastikverpackungen benötigt, als wenn es anders herum gehandhabt werden würde. Dennoch ist auch sehr viel konventionelles Obst und Gemüse, egal ob regional oder importiert, in Plastik eingeschweißt. Das trifft oft bei Möhren, Salat, Äpfel, Beeren und Kräuter zu.
  • die Verpackung bietet Schutz vor Transportschäden und verhindert, dass Bio-Lebensmittel mit Pestizidrückständen von konventionellen Produkten in Berührung kommen. Für mich stellt sich die Frage, wie viel Pestizidrückstände tatsächlich abgegeben werden und wie viel Chemie aus der Plastikverpackung auf das Obst und Gemüse übergeht. Was ist in diesem Fall schädlicher?
  • Viele Kunden möchten makellose Ware kaufen, die nicht bereits von Fremden angefasst wurde. Wir Menschen haben ein unterschiedlich ausgeprägtes Hygienebedürfnis. Normalerweise reicht es aus, Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich zu waschen oder zu schälen. Hier muss jeder für sich abwägen, um welchen Preis das Bedürfnis nach unangetasteter Ware erfüllt werden soll. Denn natürlich geben die Kunden die Richtung vor, in die der Verpackungswahnsinn gehen soll. Auch du entscheidest mit!

Hinter diesem fragwürdigen Verpackungssystem steckt irgendwie noch kein gutes Konzept! Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich vor die Entscheidung gestellt werde, Bio-Obst in Plastik oder konventionelles Obst unverpackt zu kaufen.

Bäumchen rüttle und schüttle dich

Letztens wollte ich Bio-Kirschen kaufen. Als ich dann neben der unliebsamen Plastikschale auch noch den stattlichen Preis von rund 16,00 € pro Kilo gesehen habe, musste ich an die Allee von Kirschbäumen denken, an der wir eine Woche zuvor auf dem Weg ins Umland vorbeigekommen waren. Die Bäume hingen voll von dicken roten Kirschen. Wenn die Zeit und eine Parkbucht da gewesen wären, hätten wir einfach anhalten und lospflücken können. 

Gerade jetzt, im Sommer und Herbst, gibt es besonders viel heimisches Obst, Beeren und Nüsse. Wer keinen eigenen Garten hat, und dennoch Obst und Beeren ernten möchte, kann zu einem Fruchthof fahren und sich die schönsten Früchte selber pflücken. Besonders mit Kindern ist das ein großer Spaß! Es darf genascht werden, bis der Bauch voll ist und mit Glück sind das Obst und die Beeren billiger als im Supermarkt. Um die Ernte und das Pflückerlebnis zu sichern, kommt es allerdings häufig vor, dass die Bäume und Sträucher gegen Schädlinge gespritzt werden. Das muss nicht sein, kann aber. Wenn du sichergehen willst, lohnt es sich nachzufragen!

Der moderne Mundraub

Nun aber aufgepasst! Für alle Jäger und Sammler gibt es eine ganz einfache Möglichkeit, gratis an unverpacktes und ungespritztes Obst, an Beeren und Nüsse zu kommen. Ein paar engagierte Leute aus Berlin haben 2012 die Plattform „mundraub.org“ erstellt. Hinter dieser Plattform steckt eine äußerst pfiffige Idee! Mundraub.org ist nämlich der größte deutschsprachige Pflückatlas. Auf der Karte findest du unzählige Obst- und Nussbäume, Sträucher und sogar Kräuter eingezeichnet. Da sich all diese Pflanzen im öffentlichen Raum befinden, kann dort jeder nach Herzenslust pflücken gehen. 

„Mundraub.org schafft Bewusstsein für Regionalität und Saisonalität und will dich motivieren, deine Umgebung kulinarisch wahrzunehmen und zu nutzen.“

Du kannst bei mundraub.org aber nicht nur Obstbäume und dergleichen in deiner Umgebung finden, sondern auch selber welche eintragen. Je mehr Pflanzen zum Abernten erfasst werden, desto üppiger ist natürlich das Angebot. Und nach der Ernte macht es Spaß nach leckeren Rezepten zu stöbern. Hier ein paar Favoriten von mir für Marmelade, Kompott, Chutney, Sirup, Kuchen oder herzhafte Herbstgerichte.

Falls du wenig Erfahrung mit Einmachen und Marmelade kochen hast, findest du bei smarticular als Einstieg eine gute Anleitung.

Also ran an die Äpfel, Birnen, Pflaumen und Mirabellen, die Brom-, Him- und Holunderbeeren, die Nüsse und Kräuter in deiner Umgebung. Nutze die Jahreszeit, vermeide Plastikverpackungen und spare Geld!