Plastikflut

Bioplastik unter der Lupe

Bioplastik! Ist das nicht die Lösung?

Zu Beginn ist es wichtig zu wissen, dass Bioplastik nicht gleich Bioplastik ist. Das Umweltbundesamt gibt an, dass nicht jeder Kunststoff, der aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, biologisch abbaubar ist und nicht alle biologisch abbaubaren Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Das klingt erst einmal verwirrend, lässt sich aber relativ einfach erklären.

Aufgrund der gerade erwähnten Merkmalen wird Bioplastik in in zwei Kategorien eingeteilt und zwar in biobasierte Kunststoffe und in biologisch abbaubare Kunststoffe. Hier bekommst du eine kurze Übersicht.

Merkmale biobasierter Kunststoffe:

  • Sie bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen wie z.B. Zuckerrohr, Mais, Cellulose oder Holzmehl.
  • Der Anteil nachwachsender Rohstoffe ist nicht vorgeschrieben.
  • Sie enthalten Zusätze wie Stabilisatoren und Gleitmittel.
  • Sie enthalten kein Erdöl, was die knappen Erdölreserven schont.
  • Allerdings wird Erdöl für den Anbau benötigt (Herstellung von Dieselkraftstoff und Düngemittel).
  • Sie sind stabil und langlebig wie herkömmliches Plastik.
  • Sie sind häufig nicht biologisch abbaubar.
  • Die Herstellung und Entsorgung spart CO2 ein, da z.B. bei der Verbrennung des Kunststoffes nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie die Pflanze in sich gespeichert hatte. Daher wird dieser Kunststoff als klimaneutral eingestuft.
  • Beim Anbau können u.a. Pestizide und genmanipulierte Organismen zum Einsatz kommen.

Beispiele für biobasierte Kunststoffe sind Polyethylenterephthalat (PET), Polyethylen (PE) oder Polylactid (PLA).

Merkmale biologisch abbaubarer Kunststoffe:

  • Sie müssen sich innerhalb von zwölf Wochen zu 90% biologisch zersetzt haben, um die Zertifizierung EN/DIN13432 bekommen.
  • Ob aus pflanzlichen, tierischen oder fossilen Rohstoffen, die Inhaltsstoffe spielen keine Rolle.
  • Nur industrielle Kompostierungsanlagen bieten die Bedingungen (große Wärme und Feuchtigkeit), die dieser Kunststoff benötigt, um sich biologisch zu zersetzen. Der heimische Komposthaufen schafft das nicht!
  • Durch fehlende Nährstoffe ist er für den Kompost wertlos. Es wird lediglich Wasser und Kohlendioxid (CO2) abgebaut.
  • Die Entsorgung über die Müllverbrennungsanlage ist daher sinnvoller, denn die freiwerdende Energie kann immerhin in Wärme oder Strom umgewandelt werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher die Entsorgung über den Restmüll.
  • Im Meer ist dieser Kunststoff genau so schädlich und verrottet genau so langsam wie herkömmliches Plastik.

Nun kennst du den Unterschied zwischen biobasiertem- und biologisch abbaubarem Kunststoff. Wenn es dich also interessiert, um welche Form von Bioplastik es sich handelt, lohnt es sich auf die Packungsangabe zu schauen!

Steht „biologisch abbaubar“ auf der Verpackung bedeutet das, dass der Kunststoff unter bestimmten Bedingungen biologisch abbaubar ist. Es bedeutet aber nicht, dass er aus biologischen Rohstoffen besteht. Die Angabe „Biokunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen“ stellt weder sicher, dass die Verpackung zu 100% aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, noch das sie biologisch abbaubar ist.

Bioplastik weist also leider noch einige Schwächen auf. An dieser Stelle möchte ich bemerken, dass bereits Kunststoff hergestellt wird, der sowohl biobasiert als auch biologisch abbaubar ist. Leider ist dessen Marktanteil noch verschwindend gering.

Ist Bioplastik unbedenklicher als herkömmlicher Kunststoff?

Nur weil Biokunststoffe zum Teil aus pflanzlicher Biomasse bestehen, heißt das nicht automatisch, dass darin keine gesundheitsschädlichen Stoffe enthalten sind. Auch diese Kunststoffe enthalten chemische Zusätze, die der Gesundheit schaden können. Was diesen Punkt angeht, schneidet Biokunststoff also nicht unbedingt besser ab als herkömmlicher Kunststoff.

Wann fängt Biokunststoff an Sinn zu machen?

Bioplastik ist leider noch nicht die Lösung im Kampf gegen die Plastikflut. Der Rohstoffanbau ist sehr zeitaufwändig und verbraucht viel Energie. Zudem kommen in der industriellen Landwirtschaft umweltbelastende Pestizide und Düngemittel zum Einsatz. Auch das Recycling ist sehr schwierig, weil die Sortieranlagen die verschiedenen Kunststoffarten kaum voneinander unterscheiden können.

Auch das Umweltbundesamt und der Nabu stehen Biokunststoff kritisch gegenüber. Biobasierte Kunststoffe seien nicht umweltfreundlicher sind als Herkömmliches Plastik und dienen daher nur als Marketinginstrument und zur Gewissensberuhigung der Verbraucher.

Biokunststoff fängt dann an Sinn zu machen, sobald: 

  • die Herstellung mit weitaus weniger Energie und Wasser auskommt,
  • der Rohstoffanbau nicht mit dem Anbau von Nahrungsmitteln konkurriert,
  • die Herstellung kostengünstiger wird und
  • keine schädlichen Chemikalien mehr enthalten sind.

Bis Bioplastik herkömmliches Plastik bedenkenlos und nachhaltig ersetzen kann, muss noch viel geforscht und entwickelt werden. Bleibt zu hoffen, dass genügend Gelder in diesen Bereich fließen, damit die Forschung schnell voran kommt!