Plastikflut

Plastik in den Meeren

Wie gelangt das Plastik ins Meer?

Das die Weltmeere und deren Bewohner besonders stark von der Plastikverschmutzung betroffen sind, ist weltweit bekannt. Mittlerweile kennen alle das schockierende Video eines Tauchers vor der indonesischen Insel Bali.  

Die amerikanische NGO Ocean Conservancy schätz, dass 150 Millionen Tonnen Kunststoff in den Weltmeeren treibt. Jährlich gelangen etwa 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastikabfälle hinzu. Das sind umgerechnet etwa eine Müllwagenladung pro Minute. Es gibt mittlerweile fünf gigantische, schwimmende Müllteppiche. Der größte Müllstrudel, der „Great Pacific Garbage Patch“ befindet sich im Nordpazifik zwischen Kalifornien und Hawaii. Dieser hat bereits die dreifache Größe Frankreichs angenommen.

Das genaue Ausmaß der Vermüllung ist allerdings nur schwer einzuschätzen, da laut Nabu nur 15% des Mülls an der Oberfläche schwimmt. 70% sinkt nach einiger Zeit auf auf den Meeresboden ab, wo er, je nach Plastikart, Jahrzehnte bis Jahrhunderte überdauert. Die restlichen 15% werden an die Küsten gespült. National Geographic gibt an, dass der Müll an den weltweiten Stränden zu 73% aus Plastik besteht wie z.B. Flaschen, Verpackungen, Tüten, Styropor oder Zigarettenfilter.

Wie aber gelangt der Plastikmüll überhaupt in die Ozeane? Untersuchungen besagen, dass 80% der im Meer treibenden Kunststoffe vom Festland stammen. Rund 20% wird von der Schifffahrt verursacht. Beim Fischfang werden Netze und andere Gerätschaften achtlos im Meer entsorgt. Auch der Müll, der auf Schiffen anfällt, wird auch verbotener Weise ins Meer geworfen. Sieht ja keiner! Außerdem kann bei Containerschiffen bei hohem Seegang schon mal die ein oder andere Ladung über Bord gehen.

Vom Land aus gelangt Plastik über diese drei Wege ins Meer:

  1. Mikroplastik aus Kosmetikartikeln, Zahncreme, Duschgels etc. gelangt über das Abwasser ins Meer. 
  2. Beim Waschen von sythetischer Kleidung wie z.B. Fleecepullovern gelangen die winzigen Kunststofffasern durch die Waschmaschine und die Kläranlage bis ins Meer. Es wurden bisher keine Filter entwickelt, denen es gelingt diese winzigen Plastikpartikel herauszufiltern.
  3. Plastikmüll, der nicht sachgemäß entsorgt wird, sondern u.a. auf der Straße landet, gelangt durch Wind und Regen in Bäche und Flüsse. Diese transportieren das Ganze bis ins Meer. 

Durch Meeresströmungen werden die großen und kleinen Kunststoffteile bis in die abgelegensten Ecken befördert. Selbst in der nahezu unberührten Arktis und Antarktis und in 10.000 Metern Tiefe wurden bereits Mikroplastik oder auch größere Teile Plastik gefunden.

Was passiert mit dem Plastik im Meer? 

Einmal ins Meer gelangt, kann es sehr lange dauern, bis sich das Plastik zersetzt hat. Dieses Zersetzen geschieht nicht auf biologische Art und Weise, sondern durch Sonnenlicht, Salzwasser und mechanische Einwirkungen. Der Kunststoff löst sich dabei nicht auf, sondern zerfällt im immer winzigere Einzelteile zum sogenannten Mikroplastik. Plastikteilchen gelten als Mikroplastik ab einer Größe von 5 mm bis 0,1 µm (etwa der Dicke eines Blatt Papiers). Hier siehst du im Vergleich die ungefähre Zerfallsdauer von Dingen, die häufig im Meer landen:

Die lange Verweildauer und der Fakt, dass jede Minute etwa eine Müllwagenladung Plastik hinzu kommt, lassen die Zukunft der Ozeane düster aussehen. Es gibt weltweit Müllsammelaktionen an den Stränden und aufwendige Konstruktionen im Meer, die den Plastikmüll einsammeln sollen, wie etwa “The Ocean Cleanup“. All das sind erste Maßnahmen und Versuche die Vermüllung in den Griff zu bekommen, aber es scheint ein Kampf gegen Windmühlen zu sein, denn DIE Lösung ist leider noch nicht gefunden. Fakt ist, dass einfach kein Plastik mehr in den Flüssen und Meer landen darf! Davon sind wir Umweltpolitisch und vom menschlichen Verhalten her leider noch weit entfernt.

Auswirkungen auf die Meeresbewohner

Die negativen Auswirkungen von Plastik auf unsere Umwelt sind ein ernstzunehmendes Problem. Vögel, Fische, Schildkröten oder Robben fressen Kunststoffteile, weil sie diese für Nahrung halten. Im Wasser treibende Plastiktüten werden z.B. von Schildkröten oft mit Quallen verwechselt und verspeist. Größere Tiere wie Delfine und Wale ernähren sich von Krill oder Fisch und nehmen auf diesem Weg das Plastik in sich auf. Plastik, das es bis in den Magen der Tiere schafft, kann nicht verdaut werden und behindert die Aufnahme von artgerechter Nahrung. Seevögel verfüttern ihren Mageninhalt an ihren Nachwuchs. So passiert es, dass Tiere mit vollgefüllten Plastikmägen verhungern. Zudem verenden unzählige Meerestiere, weil sie sich an Plastikteilen verletzen, daran ersticken oder sich strangulieren. Letzteres passiert häufig durch ausgediente, umhertreibende Fischernetze, in denen sich Robben, Schildkröten, Delphine und Co. verheddern. Seevögel benutzen Kunststoffnetze zum Nestbau. Es kommt nicht selten vor, dass sie und ihre Jungtiere sich darin verfangen, verletzen oder erdrosseln. Eine Studie im National Geographic besagt, dass etwa 90% der Seevögel Plastikteile im Körper haben. Die Population der Seevögel ist von 1950 – 2010 bisher um 67% geschrumpft! 

Bisher konnte in sage und schreibe 114 Tierarten Mikroplastik nachgewiesen werden, die ihren Lebensraum im oder am Wasser haben! Es ist noch nicht ganz klar, welche Auswirkungen die chemischen Substanzen, die im Plastik stecken, auf die Gesundheit der Meeresbewohner haben. Es wird davon ausgegangen, dass die Wirkung ähnlich wie die beim Menschen ist. 

Ein weiterer gefährlicher Fakt ist, dass Plastikpartikel nicht nur chemische Stoffe freisetzen. Sie sind auch in der Lage Giftstoffe wie PCB (Polychlorierte Biphenyle) oder Insektizide wie DDT aus dem Wasser anzuziehen und an sich zu binden. Diese giftigen Häppchen sind nicht nur schädlich für Seevögel und Fische, sondern auch für sogenannte Filtrierer wie Muscheln und Korallen. Und am Ende der Nahrungskette steht dann der Mensch, bei dem Muscheln, Fisch und Co. auf dem Teller landen. Guten Appetit!

Mach mit! Sei dabei! 

Hier kannst du über den WWF deine Stimme für eine verbindliche UN-Konvention gegen die Vermüllung der Meere abgeben.