Plastikflut

Bisphenol A

Gesundheitsgefährdende Plastikart / Chemikalie

Bishenol A (BPA) wird zur Herstellung von Polycarbonat Kunststoffen (PC) und Kunstharzen verwendet. Außerdem dient BPA als Antioxidans und Stabilisator in PVC-Kunststoffen.

BPA kann enthalten sein in ungekennzeichneten Kunststoffen, in Kunststoffen mit dem Aufdruck PC oder PVC und in Kunststoffen mit dem Recycling-Code: 7 ♹, der für „sonstige Stoffe“ steht.

Einsatzbereich

BPA steckt unter anderem in:

  • Kunstharzbeschichtungen von Getränke- und Konservendosen und in anderen Lebensmittelverpackungen, 
  • Plastikflaschen, 
  • Plastikgeschirr, 
  • Plastikspielzeug, 
  • Thermopapier von Kassenbons, Fahrkarten, Parktickets oder Kontoauszügen, 
  • einigen Zahnfüllungen aus Kunststoff, 
  • Nagellack und anderen Lacken, 
  • Klebstoff, 
  • Discs (CDs, DVDs etc.),
  • Brillengestellen und
  • Koffer- oder Handyhüllen.

Auswirkungen

BPA imitiert im Körper das Hormon Östrogen. Die gesundheitlichen Auswirkungen stehen zum größten Teil damit in Verbindung. Durch eine zu hohe BPA Konzentration im Körper kommt es zu:

  • Schilddrüsenerkrankungen,
  • Schädigung der Brustdrüsen / Brustkrebs,
  • Prostatakrebs,
  • Verhaltens- und Entwicklungsstörungen (bei Babys),
  • Unfruchtbarkeit,
  • Herzkrankheiten,
  • Diabetes,
  • Übergewicht,
  • Leber- und Nieren Schäden.

Wie auch bei allen anderen gefährlichen Stoffen sind Ungeborene, Babys und Kleinkinder durch BPA besonders gefährdet!

Anmerkung

Laut wissenschaft.de zählt BPA zu den wichtigsten Alltags-Chemikalien. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 410 000 Tonnen Bisphenol A hergestellt. Seit vielen Jahren wird diskutiert, ob BPA gesundheitsgefährdend ist oder nicht. Dazu gab es öffentlich finanzierte Studien und Studien, die von der Industrie bezuschusst werden. Bei 138 von 152 öffentlichen Studien wurde BPA als gesundheitsschädlich eingestuft. Bei den 11 Studien industriellen Untersuchungen gab es keine einzige mit diesem Ergebnis. Zu diesem Fakt kannst du dir gerne deine eigene Meinung bilden.

BPA Verbot

Bisphenol A ist mittlerweile in einigen Produkte verboten:

  • seit März 2011 in Baby- und Kleinkind Produkten wie z.B. Babyflaschen,
  • seit Nov. 2018 in Spielzeug (zugelassener Migrationswert max. 0,04 mg BPA pro Liter Speichelsimulanz),
  • seit Jan. 2020 in Thermopapier (BPA Konzentration max. 0,02 %)

Im Januar 2017 wurde BPA von der Europäischen Chemikalienverordnung (REACH) offiziell als besonders besorgniserregende Substanz definiert. Aufgrund seiner hormonschädigenden Wirkung steht Bisphenol A seitdem auf der Kandidatenliste von REACH. Trotzdem wurde der Antrag des EU-Parlaments, Bisphenol A auch in Lebensmittelverpackungen zu verbieten, Anfang 2018 abgelehnt. Lediglich die BPA-Grenzwerte wurden ein wenig herabgesenkt. Laut BUND sind BPA-haltige Lebensmittelverpackungen in Frankreich seit Januar 2015 verboten! Welche Chemikalie stattdessen eigesetzt wird, wird leider nicht erläutert.

Warum gibt es bei uns kein umfassenderes BPA-Verbot? Liegt es an einer engagierten Lobbyarbeit von BPA Herstellern wie Bayer, GE Plastics und Mitsubishi oder daran, dass bisher keine gute Alternative für Bisphenol A gefunden wurde?

Laut neusten Untersuchungen des Umweltbundesamts (UBA) von 2020 sind unbedenklichere Alternativen noch sehr rar. Von 44 möglichen Alternativstoffen vielen 43 Stoffe bei Tests durch. Nur der Stoff Perafast 201 zeigt in den vitro-Screening-Tests keine hormonähnliche Wirkweise. Pergafast 201 könnte eine erste gute Alternative für Bisphenol A darstellen. Da dieses Ergebnis noch „druckfrisch“ ist (vom 12.02.2020), bleibt abzuwarten, was daraus wird.

PBA-frei und unbedenklich?

Früher wurden Babyflaschen aus BPA-haltigem Polycarbonat (PC) hergestellt. Die neuen Flaschen aus Polypropylen (PP) und Polyamid (PA) sind BPA-frei. Allerdings gibt es hierzu zwei wichtige Anmerkungen! 

1. BPA Ersatzchemikalien: Als BPA in Verruf geriet, wurde es in vielen Produkten, besonders im Baby- und Kleinkind-Bereich verboten. Ein gutes Gefühl für den Verbraucher. Die Verbraucherzentrale weist allerdings darauf hin, dass die Angabe „BPA-frei“ nicht automatisch bedeutet, dass es sich um unbedenklichen Kunststoff handelt. Stattdessen könnten nämlich Bisphenol S oder Bisphenol F als Ersatzchemikalie enthalten sein. In Laborversuchen mit Tieren und Zellkulturen zeigen BPS und BPF eine ähnlich schädigende Auswirkung wie BPA! Es sind sehr viele Chemikalien im Umlauf, deren Wirkung kaum erforscht ist. Zur Gruppe der Bisphenole gehören ganze 17 unterschiedliche chemische Verbindungen.

„Viele dieser Chemikalien sind nicht angemessen untersucht worden, weil das keiner verlangt hat. Eine Verbindung gilt einfach so lange als sicher, bis das Gegenteil bewiesen ist.“

Deborah Kurrasch, Neurowissenschaftlerin

Auch der National Geographic befasst sich mit den BPA-Ersatzstoffen. Dr. Leonardo Trasande von der NYU Langone Health sagt über die bedenklichen Ersatzchemikalien:

„Das zeigt eigentlich, dass wir Chemikalien nicht einzeln, sondern als Klasse regulieren müssen – also so, dass wir auf chemische Verbindungen mit einer ähnlichen Struktur und ähnlichen Funktionsweise abzielen können.“ 

2. Anderer Kunststoff, andere Zusätze: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt zu bedenken, dass aus Polypropylen deutlich mehr Substanzen abgesondert werden können als aus Polycarbonat. Diese Substanzen wurden auf ihre Giftigkeit nicht annähernd so ausführlich Untersucht wie Bisphenol A. 

Umgang mit BPA-haltigem Plastik

Wie Weichmacher/Phthalate ist auch BPA fettlöslich. Zudem dünstet es bei Erwärmung aus. BPA-haltiges Plastik sollte daher nicht mit fetthaltigen Lebensmittel in Verbindung kommen, für die Mikrowelle benutzt werden oder mit warmen Speisen und Getränken in Kontakt kommen. BPA geht schon bei geringer Wärme in den Inhalt über! Besondere Vorsicht ist auch bei Getränke- und Konservendosen geboten. In deren Beschichtung ist BPA nach wie vor erlaubt. Auch eine Kennzeichnungspflicht gibt es hier bisher nicht!

Als BPA-frei gelten Kunststoffe aus Polyethylen Recycling-Code: PE 2 ♴ oder PE 4 ♶ sowie Kunststoffe aus Polypropylen Recycling-Code: PP 5 ♷.

Wie du dich im Alltag vor schädlichen Plastikchemikalien schützen kannst? Das erfährst du im Menü unter „So kannst du dich schützen“.

Links zum Thema

 Wenn du dich noch ausführlicher über Bisphenol A informieren möchtest, empfehle ich dir diese Internetseiten.