Plastikflut

Flammschutzmittel

Gesundheitsgefährdende Plastikart / Chemikalie

Flammschutzmittel (Brandhemmer) sind in allen Kunststoffarten enthalten, die möglichst feuerfest und schwer entflammbar sein sollen. 

Es gibt vier Typen von Flammschutzmitteln:

1. Additive Flammschutzmittel werden in brennbare Stoffe als Zusatzstoffe eingearbeitet.

2. Reaktive Flammschutzmittel sind selbst Bestandteil des Materials (siehe Polymerisation).

3. Inhärenten Flammschutz bedeutet, dass das Material an sich flammwidrig ist. 

4. Beim Coating wird der Brandhemmer als äußere Beschichtung aufgebracht.

Es gibt halogenhaltige und halogenfreie Flammschutzmittel. Die halogenhaltigen zählen zu den gesundheitsschädlichen! Sie enthalten Brom- oder Chlorverbindungen. 

Zu den polybromierten Flammschutzmitteln (brominated flame retardants – BFR) zählen: 

  • polybromierte Diphenylether (PBDE), 
  • Tetrabrombisphenol A (TBBPA), 
  • Hexabromcyclododecan (HBCD auch HBCDD) und 
  • polybromierte Biphenyle (PBB). 

Unter die polychlorierten Brandhemmer fallen:

  • polychlorierte Dibenzodioxine (PCDD)
  • polychlorierte Dibenzofurane (PCDF)

Flammschutzmittel oder Brandhemmer, wie z.B. Hexabromcyclododecan (HBCD auch HBCDD), sind häufig in Polystyrol (PS), auch als Styropor bekannt, zu finden. Die Kennzeichnung “FR” (Flame Retardant) weist darauf hin, dass Flammschutzmittel enthalten sind. Flammschutzmittel sind häufig in Polystyrol (Styropor), zu finden. Polystyrol ist Erkennbar am Recycling-Code: PS 6 ♸.

Einsatzbereich

Flammschutzmittel sind zu finden in: 

  • Schaumstoffen (PUR) für Matratzen und Polstermöbel,
  • in Styropor für Essensbehälter, Verpackungsmaterialien, Kissen- oder Kuscheltierfüllungen,
  • in Teppichböden, 
  • Vorhangstoffen,
  • Montageschäumen, 
  • Dämmstoffen und
  • in Dingen, die sich stark erwärmen können, wie z.B. Gehäuse von Elektrogeräten oder Kabelisolierung. 

Auswirkungen

Im Brandfall gelten Flammschutzmittel als besonders gesundheitsschädlich, da giftige Dioxine freigesetzt werden. Brom- und Chlordämpfe sollten auf keinen Fall eingeatmet werden. Auch bei der Herstellung beim Gebrauch und bei der Entsorgung von flammschutzhaltigen Kunststoffen können schädliche Stoffe ausdünsten. Polybromierte und -chlorierte Flammschutzmittel können sich im Körper vom Menschen anreichern und:

  • Krebs erzeugen,
  • das Nervensystem schädigen,
  • das Hormonsystem beeinträchtigen,
  • unfruchtbar machen,
  • das Kind im Mutterleib gefährden und
  • Säuglinge über die Muttermilch schädigen.

Anmerkung

Toxisch und persistent

Was die Entsorgung betrifft, sind Flammschutzmittel äußerst schwer abbaubar. Insbesondere TBBPA und HBCD haben eine toxische Wirkung auf Gewässerorganismen. In der EU ist der Einsatz bestimmter polybromierter Flammschutzmittel (BFR) verboten bzw. eingeschränkt. HBCD beispielsweise ist ein überaus persistenter (langlebiger) organischer Schadstoff. Dieser wurde im Mai 2013 von der Chemikalienverordnung REACH als besonders besorgniserregender Stoff eingestuft, in das Verzeichnis zulassungspflichtiger Stoffe aufgenommen und weltweit schrittweise verboten. Seit März 2016 dürfen in der EU Produkte mit mehr als 100 mg/kg HBCD weder hergestellt, noch in den Verkehr gebracht werden.

Weit verbreitet trotz Verbot

Was die Sicherheit der Verbraucher angeht, gibt es vom BUND eine sehr interessante Publikation. In der geht es darum, dass mit verbotenen Chemikalien belasteter Kunststoffabfall einfach zu neuen Produkten recycelt wird.

„Es kann nicht sein, dass Kunststoffabfälle, die als Sondermüll entsorgt werden müssten, in neuen Produkten wieder in Umlauf gebracht werden. Da wird sogar mit der Gesundheit von Kindern gespielt, nur um ein paar Prozent höhere Recyclingquoten zu erreichen. Wir brauchen endlich eine strengere Regulierung von Hormongiften sowie bessere Kontrollen und Erfassungssysteme für Recyclingmaterialien.“

Manuel Fernandez vom BUND

In der Publikation heißt es weiter, dass gefährliche Flammschutzmittel in Spielzeug, Haarbürsten & Co. über diesen versteckten Weg auf dem europäischen Markt weit verbreitet sind.

Dinge, die mit dem Qualitätssiegel „BFA QS EPS“ oder dem Umweltsiegel „Blauer Engel“ gekennzeichnet sind, sollen laut Umwelt Bundesamt keine halogenhaltigen Flammschutzmittel enthalten. Auch die Bezeichnungen HFFR (halogen-free flame retardant), sowie LS0H (low smoke zero halogen) weisen auf halogenfreie Flammschutzmittel hin. 

Wie du dich im Alltag vor schädlichen Plastikchemikalien schützen kannst? Das erfährst du im Menü unter „So kannst du dich schützen“.

Links zum Thema

 Wenn du dich noch ausführlicher über Flammschutzmittel informieren möchtest, empfehle ich dir diese Internetseiten.