Plastikflut

Melamin-Formaldehyd-Harz

Gesundheitsgefährdende Plastikart / Chemikalie

Bei Melamin handelt es sich um ein Pulver, das aus Harnstoff gewonnen wird. Zusammen mit Formaldehyd wird daraus ein synthetisch hergestelltes Kunstharz. Kunstharze werden zur Herstellung von duroplastischem, nicht schmelzbarem Kunststoff eingesetzt. Neben dem üblichen Melamin-Formaldehyd-Harz (MF oder MFH) gibt es noch Melamin-Harnstoff-Formaldehyd-Harz (MUF) und Phenol-Formaldehyd-Harz (MPF).

Kunststoffprodukte mit Melamin wird durch die Abkürzung MF oder MFH gekennzeichnet. Es kann sich auch hinter dem Recycling-Code: ♹, der für „sonstige Stoffe“ steht, verbergen.

Einsatzbereich

Melaminharz steckt in hartem, recht bruchsicherem Plastik aus dem vorwiegend: 

  • Camping- und Kindergeschirr, 
  • Mehrwegbecher sowie 
  • viele Küchenutensilien hergestellt werden.
  • MF ist auch ein großer Bestandteil in Bambusgeschirr!

Auswirkungen

Hier kommen die negativen Eigenschaften von zwei unterschiedliche Substanzen zusammen.

Melamin: 

  • hat eine toxische Wirkung auf die Blase,
  • kann Blasensteine hervorrufen
  • und die Nieren schädigen.

Formaldehyd:

  • reizt die Haut/Schleimhaut, 
  • führt zu Entzündungen im Magenbereich,
  • belastet die Raumluft und 
  • kann Krebs im Nasen/Rachen Raum und 
  • Allergien auslösen.

Anmerkung

Nur angemessen zu gebrauchen

Laut Verbraucherzentrale dürfen beim täglichen Gebrauch in ein Kilogramm Lebensmittel maximal 2,5 mg Malamin und 15 mg Formaldehyd übergehen. Bei angemessenen Gebrauch werden diese Werte nicht überschritten.  

Mit „angemessenen Gebrauch“ ist gemeint, dass Melamingeschirr als Ess- und nicht als Kochgeschirr verwendet werden sollte. Für Heißgetränke, Suppen oder Säuglingsnahrung ist es nicht geeignet! Schon bei Temperaturen ab etwa 70°C lösen sich Melamin und Formaldehyd aus dem Kunststoff und gehen in die Nahrung über. Dieses Geschirr gehört also auf keinen Fall in die Mikrowelle. Kochlöffel oder Pfannenwender aus MF sollten nicht lange in heißem Essen bleiben. Zudem können säurehaltige Lebensmittel, wie beispielsweise geschnittenes Obst, das Material angreifen und die Schadstoffe lösen. Dies erkennst du daran, wenn die Oberfläche an Glanz verliert, stumpf wird oder ausbleicht.

Die Bambusalternative

Vor einigen Jahren kam Bambusgeschirr als Plastikalternative auf den Markt. Es wurde von den Herstellern als besonders ökologisch, nachhaltig und biologisch abbaubar angepriesen. Als unsere Tochter Interesse an fester Nahrung bekam, bin ich daher recht schnell von Plastik- auf Bambusgeschirr umgestiegen. Die Werbeversprechen haben bei mir funktioniert. Ich war ein großer Fan von dem bunten Bambusgeschirr und froh eine so tolle Alternative gefunden zu haben. Zwei, drei Jahre später stellte sich dann heraus, Pustekuchen! Bambusgeschirr enthält ebenso Melamin-Formaldehyd-Harz, also Kunststoff. In Wahrheit ist es ein Kunststoffprodukt mit ein wenig Bambusanteil! 

Bambus- vs. Melamingeschirr

Bambusgeschirr hat gegenüber Melamingeschirr in Wahrheit also keinerlei Vorteile. Ganz im Gegenteil! Das BfR hat in einer Stellungnahme im Nov. 2019 herausgegeben, dass Bambusgeschirr, bei unsachgemäßen Gebrauch, sogar mehr Melamin und Formaldehyd freisetzt als Melamingeschirr! 

„Die Formaldehyd-Freisetzung war bei etwa einem Viertel des „Bambusware“- Geschirrs so hoch, dass der TDI um das bis zu 30-fache für Erwachsene bzw. um das bis zu 120-fache für Kinder überschritten wurde. (…) In Bezug auf Melamin zeigt sich, dass das „Bambusware“-Geschirr im Mittel eine mehr als doppelt so hohe Freisetzung aufweist wie „herkömmliches“ MFH-Geschirr.“ 

Bei täglichem Gebrauch hält das BfR ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für wahrscheinlich. Besonders gefährdet sind in diesem Fall auch wieder die Kinder. Dieses Beispiel zeigt sehr schön, wie schamlos Verbraucher von einigen Herstellern hinters Licht geführt werden.

Noch einmal zusammengefasst. Bambusgeschirr:

  • hat einen hohen Plastikanteil
  • Bambusfasern sind häufig nur als Füllstoff in geringen Mengen enthalten
  • ist keine Alternative zu Melamingeschirr
  • ist nicht biologisch abbaubar
  • dünstet wesentlich mehr schädliche Stoffe aus als Melamingeschirr

Also, Finger weg von Melamin- und Bambusgeschirr! Wenn neue, unbekannte Plastikalternativen auf den Markt kommen ist erst einmal Zurückhaltung geboten! Es lohnt sich zu abzuwarten, zu prüfen und zu recherchieren. Alternativ kannst du auf Porzellan- oder Keramikgeschirr umsteigen. Für zu Hause und etwas ältere Kinder gibt es da viele tolle Produkte. Für unterwegs und für kleine Kinder, die gerne die Schwerkraft austesten, eignen sich sehr gut leichte, bruchsichre Varianten aus Holz/Bambus, Edelstahl oder Emaille. 

Links zum Thema

 Wenn du dich noch ausführlicher über Melamin- und Bambusgeschirr informieren möchtest, empfehle ich dir diese Internetseiten.