Plastikflut

Was ist an Plastik gesundheitsschädlich?

Wer kennst sich schon mit den verschiedenen Plastikarten aus? Wer weiß was wirklich in ihnen steckt? Interessant ist, dass es nicht unbedingt der Kunststoff ist, der uns krank machen kann. Es sind die vielen Zusatzstoffe. Diese Chemikalien können sich u.a. durch Ausdünstung, Verbrennen oder durch den Kontakt mit Fetten und Ölen aus dem Kunststoff lösen. Sobald derartige Problemstoffe nicht mehr im Plastik gebunden sind, können sie nicht mehr „eingefangen“ werden. Die Chemikalien gehen dann in unsere Lebensmittel über. Auch über die Luft, den Hausstaub oder über Hautkontakt gelangen diese Stoffe sehr leicht in unseren Organismus. 

Hunger auf Plastik?

Laut einer Studie des WWF nehmen wir jede Woche über die Luft, die Nahrung und über das Trinkwasser (egal ob aus der Leitung oder aus abgefüllten Flaschen!) Mikroplastik in der Größe einer Kreditkarte in uns auf. Das sind in etwa 5g Plastik. Diese Menge ergibt sich aus der weltweiten durchschnittlichen Aufnahmemenge pro Mensch. Bei den meisten Menschen lassen sich Plastikchemikalien im Blut, Urin und im Stuhl nachweisen. Das wurde bei medizinischen Untersuchungen herausgefunden.

Grenzwerte

Generell gibt es für gesundheitsschädliche Zusatzstoffe europäische Grenzwerte, sogenannte Migrationsgrenzwerte. Sie legen fest, welche Chemikalienmengen aus den einzelnen Kunststoffprodukten auf Lebensmittel oder die Raumluft übergehen dürfen. Selbst wenn diese Grenzwerte eingehalten werden, besteht aber dennoch eine Gefahr. Denn durch viele kleine Mengen potenziert sich logischer Weise die negative Wirkung. Menschen, die beispielsweise überwiegend abgepackte, fetthaltige Fertiggerichte essen, nehmen eine wesentlich höhere Menge an Weichmachern auf, als Menschen, die auf eine ausgewogene Ernährung achten und lieber auf unverpackte Lebensmittel zurückgreifen.

Der Körper eines gesunden Erwachsenen kann außerdem eine größere Menge an Giftstoffen verkraften als der kleine Körper eines Babys oder Kindes. Sie stecken sich alles in den Mund und halten sich viel auf dem Boden auf, also in Hausstaub Nähe. Auch Angewohnheiten wie lange am Nuckel zu saugen oder von Plastikgeschirr zu essen tragen dazu bei, dass höhere Dosen von Plastikchemikalien in ihren Körper gelangen kann. An diese Stelle passt die kluge Aussage des alten Paracelsus: 

„Erst die Dosis macht das Gift“.

Babys und Kleinkinder müssen in Bezug auf gesundheitsgefährdendes Plastik also ganz besonders geschützt werden! Zudem stellt sich die Frage, ob alle Menschen gleichermaßen auf Chemikalien reagieren? Am Beispiel von Allergien und Unverträglichkeiten wird deutlich, dass das meist nicht der Fall ist. Auf FAZ.net sagt Manuel Fernández vom BUND darüber:

„Für solche Stoffe kann man keine Schwellenwerte festlegen. Sie imitieren Hormone und wirken individuell ganz unterschiedlich. Woher will man also wissen, dass nicht eine geringe Menge, die bei einem Menschen nichts ausmacht, bei einem anderen massive Auswirkungen hat?“

Hinzu kommt der Fakt, dass Chemikalien im Zusammenspiel mit anderen Chemikalien oder Stoffen unterschiedlich reagieren. Wie sich das auswirkt ist nur schwer einzuschätzen. Substanzen können untereinander reagieren, sie können mit Stoffen aus der Umgebung und mit Substanzen im menschlichen Körper Verbindungen eingehen oder chemische Reaktionen auslösen. Sind diese Grenzwerte also überhaupt legitim oder lediglich ein gut gemeinter Versuch den Verbraucher zu schützen?

Streng geheim!

Jeder Hersteller hat für die Plastikherstellung sein eigenes „Geheimrezept“. Aufgrund der großen Konkurrenz wird dieses gut gehütet. Das stellt ein großes Problem dar. Kunststoffhersteller können ohne Weiteres behaupten, dass ihr Plastik keine bedenklichen Stoffe enthält. Dem Produzenten, der das Plastik in Form von Pulver oder Pellets kauft, um daraus Plastikflaschen herzustellen, bleibt nichts anderes übrig, als das zu glauben. Die genaue Zusammensetzung erfährt er nicht! Dieser Sachverhalt wird in Werner Bootes Dokumentarfilm „Plastic Planet“ thematisiert. Forscherinnen und Forscher fordern daher mehr Transparenz von der Industrie.

Als BPA in Verruf geriet, wurde es in vielen Produkten verboten. Ein gutes Gefühl für uns Verbraucher. Das BPA aber einfach durch BPS oder BPF ersetzt wurde ist kaum bekannt. Diese Chemikalien bringen für das Plastik ähnliche Eigenschaften mit sich. Leider sind sie nicht viel ungefährlicher als BPA und weniger erforscht als der Vorgänger. In der FAZ sagt Christoph Schulte vom Fachbereich Chemie beim Umweltbundesamt in Dessau:

„Vielen ist überhaupt nicht bewusst, wie sehr chemische Produkte unseren Alltag prägen. Und etwas wahrscheinlich Schädliches lässt sich eben nicht so einfach durch etwas vermutlich Unschädliches ersetzen.“

Dabei gibt es unbedenkliche Kunststoffe auf dem Markt. Leider gibt es dafür keine eindeutige Kennzeichnung. Die Biologin Lisa Zimmermann sagt in der Frankfurter Rundschau:

„Beim Einkauf ist ein unbelasteter Joghurtbecher nicht von einem mit schädlichen Inhaltsstoffen zu unterscheiden.“

All das hört sich nicht nur gruselig an. Es ist in der Tat besorgniserregend und löst nicht gerade ein Gefühl von Sicherheit aus. Es scheint ein Kampf gegen Windmühlen zu sein. Du kannst penibel auf Packungshinweise und Symbole achten und versuchen nur mit unbedenklichem Plastik in Kontakt zu kommen. Am Sichersten ist es jedoch, so gut es geht, auf Plastik zu verzichten.

Besondere Vorsicht bei diesen vier Stoffen

Zu den gängigsten gesundheitsbedenklichen Plastikchemikalien zählen Weichmacher, BPA, Flammschutzmittel und Melamin-Formaldehyd-Harz. Mit diesen Vier habe ich daher etwas ausführlicher beschäftigt. Woran kannst du sie erkennen? Wo sind sie zu finden? Wie wirken sie sich auf den menschlichen Körper aus? Was gibt es sonst noch zu beachten? Das erfährst du unter “Risiken für den Menschen” im Untermenü. Es sind aber nicht nur diese vier Chemikalien im Plastik zu finden. Es gibt hunderte weitere Zusätze. Viele von ihnen sind kaum bekannt. Und was nicht bekannt ist, zählt nicht als Gefahr und wird daher auch nicht erforscht.